Coronavirus macht erfinderisch

Deutsch-Unterricht per Videoanruf

Das Coronavirus ist zurzeit auf der ganzen Welt ein großes Gesprächsthema. Es stellt viele vor einige Herausforderungen. So auch die Lehrerin Voica Negriceanu der Gewerblichen und Kaufmännischen Schule Müllheim (GKS), die sich nach den Fasnachtsferien mit einem für den Schulalltag doch ungewöhnlichen Problem konfrontiert sah. Sie hatte in einem der Risikogebiete Norditaliens Urlaub gemacht und darf nun diese und die kommende Woche nicht die Schule besuchen, um ihre KollegInnen und die SchülerInnen vor einer möglichen Infektionen mit dem Coronavirus zu schützen. Diese Anweisung des Kultusministeriums Baden-Württembergs gilt sowohl für Schüler als für Lehrer.

Zwei Wochen länger Ferien, könnte man meinen, doch so einfach ist das nicht. Denn für einige Klassen stehen bald die Abschlussprüfungen an. „Ich unterrichte eine Abiturklasse in Deutsch. In knapp vier Wochen wird in diesem Fach bereits die Prüfung geschrieben.“, erklärt Frau Negriceanu. Sie seien mit dem Stoff zwar bereits durch, aber für die Schüler sei es auch wichtig, die Möglichkeit zur Wiederholung und für „letzte Fragen“ zu bekommen, führt sie weiter aus. „Wenn dafür plötzlich nur noch halb so viel Zeit bleibt, kann das die Schüler schon nervös machen. Arbeitsaufträge und Materialien alleine können das nicht ausgleichen.“, sagt sie.

Die Lösung des Problems: Unterricht per Videoanruf. „Fast alle Schüler der Klasse verfügen über ein Tablet und alle Räume unserer Schule sind mit Beamern ausgestattet. Daher war es nicht schwer, das zu organisieren.“, so Negriceanu. Eine Schülerin erklärte sich bereit, ihr Tablet zur Verfügung zu stellen und sich zum Unterrichtsbeginn anrufen zu lassen. Das benötigte Material wurde per E-Mail an die Klasse geschickt.

„Natürlich ist das nur eine Notlösung“,meint Negriceanu. „Richtiges Unterrichten ist so nicht möglich. Man sieht nur, was die Kamera zeigt und kann deshalb den Schülern nicht über die Schulter schauen, um ihre Arbeit zu überprüfen. So ein Unterricht ist daher auch nur bei Klassen möglich, die entsprechend motiviert sind. Aber zumindest konnten sie mir direkt Fragen stellen und ich konnte sehen, wo noch Unsicherheiten bestehen.“

Der Unterricht der Zukunft wird also vermutlich nicht so aussehen. Den direkten Kontakt kann die Technik dann eben doch nicht ersetzen, aber sie bietet in diesem Fall eine gute Hilfestellung im Umgang mit dem Coronavirus.

Foto von Lina Brunnemann