„Worten folgen Taten“

Von Susanne Ehmann

Die moderne Arbeitswelt abbilden (veröffentlicht am 4. Oktober 2019 auf badische-zeitung.de)

Das ehemalige Schulgebäude der Kaufmännischen Schulen in Müllheim wird ab kommender Woche saniert und modernisiert.

MÜLLHEIM. Das Schulgebäude ist verwaist, das Mobiliar verschwunden, nun ziehen bald die Handwerker ein: Zum neuen Schuljahr sind die Kaufmännischen Schulen aus Müllheim weg- und nach Bad Krozingen gezogen. Ihr ehemaliges Schulgebäude wird nun kernsaniert und modernisiert, künftig wird es der angrenzenden Georg-Kerschensteiner-Schule zur Verfügung gestellt. Am Mittwoch war offizieller Beginn der Sanierungen, am Montag soll der Bau starten.

So soll das Foyer des sanierten Schulgebäudes einmal aussehen

„Das Ereignis ist es wert, gewürdigt zu werden“, sagte Landrätin Dorothea Störr-Ritter bei einer kleinen Feierstunde zum Sanierungsbeginn in der Aula des leergeräumten Schulgebäudes. Man wolle Worten Taten folgen lassen und damit zeigen, in welch engem Zusammenhang die beiden Schulen für den Landkreis stehen. Müllheims Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich nannte es einen Anfang und zugleich die logische Fortführung einer langen Diskussion. Die neue Berufliche Schule in Bad Krozingen ist eröffnet, nun kann man sich der verbliebenen Schule im Schulzentrum in Müllheim widmen. Dort ist aus der Georg-Kerschensteiner-Schule und den Kaufmännischen Schulen mit Wirtschaftsgymnasium die Gewerbliche und Kaufmännische Schule (GKS) mit Beruflichem Gymnasium geworden. Diese soll künftig mehr Platz bekommen: Bis zum ersten Quartal 2021 soll das neue Gebäude fertig saniert und modernisiert sein, so dass sich die GKS dort ausdehnen kann. Nach jetzigem Planungsstand wird man 9,8 Millionen Euro investieren.

Landrätin Dorothea Störr-Ritter

„Für uns ist es eine Riesenfreude, dass uns das Gebäude zur Verfügung gestellt wird“, sagte Beate Wagner, Schulleiterin der GKS. „Wir brauchen ein Schulgebäude mit einer modernen Struktur, das den digitalen Herausforderungen und einem Ganztagsbetrieb gerecht wird.“

Entsprechende Schwerpunkte hatten unter anderem Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft, von Industrie- und Handelskammer, die Schulleitung und Müllheims Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich an einem Runden Tisch unter der Überschrift „Bildung 4.0“ herausgearbeitet. Diese flossen in die Planungen der Architekten mit ein.

Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich

Am Ende eines langen Entwicklungsprozesses habe ein für Müllheim als Schulstandort entwickeltes Profil gestanden, sagte die Landrätin. Eine neu strukturierte Schule mit dem Schwerpunkt im kaufmännischen und gewerblichen Bereich. Die Sanierung solle nun die „Schule auf den Kopf“ stellen. Ziel sei eine neue räumliche Modellierung, die unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten für ein weiterentwickeltes Lernen und Lehren bietet und für eine Schule, die sich der Wirtschaft widmet. Man habe den Anspruch, die moderne Arbeitswelt im Lernen abzubilden. Das neue Schulgebäude in Müllheim solle dem neuen in Bad Krozingen in nichts nachstehen.

Architekt Andreas Kloevekorn

Die Arbeitswelt habe sich verändert und die Bildungslandschaft müsse darauf reagieren, formulierte es Architekt Andreas Kloevekorn vom Büro „ABJ. Architekten“ aus Hamburg. Die Generalsanierung des bald 40-jährigen Gebäudes sei daher auch eine Gelegenheit, das Denken auf den Prüfstand zu stellen: „Wie wollen wir in den nächsten 40 Jahren lernen?“ Im neuen Gebäude sollen künftig Schüler wie Lehrer nicht nur einen reinen Lehr- und Lernort finden, sondern einen Ort, an dem sie sich viele Stunden in ganz verschiedenen Situationen aufhalten können, sagte der Architekt. An dem nicht nur Raum ist für konzentriertes Arbeiten, sondern auch für Kreativität und Austausch. Es soll für die Schüler einen Pausenmultifunktionsraum geben, der wie ein Café, aber auch für Stillarbeitsphasen genutzt werden kann. Dazu neben klassischen Unterrichtsräumen Werkstätten und Computer-Räume. Für die Lehrer werden Plätze eingerichtet, an denen sie in Ruhe arbeiten können, aber auch ein Bereich mit kleiner Küche und Sitzgelegenheiten. „Jeder soll sich nach seinem Bedarf seinen Arbeitsalltag einrichten können“, sagte der Architekt.

Der symbolische „Spatenstich“